Religion nicht ins Gegenteil verkehren

(EkvW/wukomm) Wo die Grenze zwischen Gott und Mensch nicht anerkannt werde, könne
Gewalt im Namen eines instrumentalisierten Gottes drohen, sagte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus in einer Fastenpredigt im katholischen Essener Dom. Sie warnte vor der Gefahr einer Verkehrung ins Gegenteil, die in jeder Religion enthalten sei. Die Fastenpredigt der leitenden Theologin war Bestandteil einer Reihe unter dem Motto „Alle sollen eins sein“ zur Erinnerung an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren.

Leid aus religiösen Motiven

Die Aussage, religiös begründete Verbrechen hätten mit recht verstandener Religion nichts zu tun, sei „falsch oder zumindest reichlich dünn“, sagte Kurschus und bezog sich dabei auf islamisch begründete Gewalttaten wie im Irak, in Syrien oder die Terrorangriffe in London oder St. Petersburg. Sie annte aber auch  Beispiele für Aggression unter christlichem Vorzeichen: den Irakkrieg von Präsident George W. Bush oder den von der orthodoxen Kirche befeuerten russischen Nationalismus. „Nicht selten waren es die höchsten Motive und die ehrwürdigsten Traditionen ausgerechnet der Religionen,
die tiefstes Leid verursachten.“ Religion sei nicht von sich aus gut
oder schlecht. „Auch unser gemeinsamer christlicher Glaube ist es nicht.
Er ist immer zwiespältig; immer ambivalent.“

Bibelzitate aus der Zauberkiste

Kurschus warnte davor, Bibelzitate aus dem Zusammenhang zu reißen: „Manche greifen zum Gotteswort wie in eine Zauberkiste und nehmen flugs einen passenden Vers heraus. Ich vermute, diese Versuchung ist für uns Evangelische besonders stark.“ Aber die Bibel in der Vielfalt ihrer Aussagen könne nur durch Auslegung und Interpretation recht gehört werden.

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