Mazyek war verliebt in Aschenputtel

„Christen und Muslime stehen vor der gleichen Herausforderung, sich auf die wesentlichen Dinge zu besinnen“, erklärte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek am Dienstagabend im Medienforum des Bistums Essen. Er beobachte ein „erschreckendes Vakuum“ in der Kenntnis der Religionen, quer durch alle hiesigen Weltanschauungen. „Will man heute die Welt verstehen, braucht man jedoch ein Mindestwissen über Religion.“ Die Gemeinsamkeiten zwischen dem Islam und der Wertegesellschaft hierzulande seien größer, als viele sich vorstellten. Ebenso wie Christen und Andersgläubige seien Muslime den Verlockungen und Ablenkungen einer säkularen Gesellschaft ausgesetzt. An Weihnachten wie im Ramadan gehe es aber gleichermaßen nicht um die Extreme, um Kaufrausch oder nächtliche Völlerei.

Zentralrat der Muslime

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland, dem Mazyek seit dem Jahr 2010 vorsteht, ist einer von vier muslimischen Dachverbänden in Deutschland und vertritt rund 300 Moscheevereine, deren Mitglieder teils türkische, aber auch albanische, bosnische oder marokkanische Wurzeln haben. Als Sohn eines Syrers und einer Deutschen mit türkischen Wurzeln 1969 in Aachen geboren, ist Mazyek selbst zwischen verschiedenen Kulturen aufgewachsen. Er erlebte Religion in der Moschee, feierte Weihnachten und war „unsterblich in Aschenputtel verliebt“, studierte später Philosophie, Volkswirtschaft, Politik und Arabistik. Augenzwinkernd erklärte er, dass in Deutschland lebende Muslime einen entscheidenden Vorteil hätten: Zum Abschluss des Ramadan und an Weihnachten beschenkt zu werden. Und auch die „deutsche Leitkultur“ erfahre eine Erweiterung: Neben Kant, Goethe und Tucholsky gehörten jetzt auch „Halal-Würstchen“ beim Oktoberfest dazu.

Vorurteile aus dem Weg räumen

Mit seinem Anliegen, Vorurteile gegen den Islam aus dem Weg zu räumen, stößt Mazyek im Bistum Essen auf offene Ohren. Detlef Schneider-Stengel, Fachreferent für interreligiösen Dialog, der durch den Abend im Medienforum führte, berichtete vom großen Bemühen des Bistums, auf Diözesanebene bis in jede Stadt und jeden Kreis Ansprechpartner der katholischen Kirche für den interreligiösen Dialog zu benennen. Eine Frucht dieser Vernetzung der Religionsgemeinschaften, so Schneider-Stengel, sei auch der Abend im Medienforum, den Aiman Mazyek für seine Botschaft nutzte: „Dass wir weniger Konkurrenten sind als Wettbewerber in den guten Dingen, das wünsche ich mir für Islam und Christentum.“

 

Foto: Bistum Essen/Achim Pohl

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