Gott sieht mich

(DEKT/Birte Mensing/wukomm) Mit Gottesdiensten an drei verschiedenen Orten hat der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) gestern in Berlin begonnen. Einer der Gottesdienstbereiche ist der Platz der Republik, die Wiese vor dem Reichstag. Sie ist gut gefüllt, die Sonne bahnt sich immer wieder ihren Weg durch die Wolken. Es ist ein besonderer Ort im Zentrum von Berlin, ein Ort im Zentrum der Geschichte.

Sieg über die Geschichte

Der Gottesdienst scheint ein Sieg über die Geschichte zu sein. „Deshalb ist diese Stadt und ist dieser Kirchentag ein Auftrag an uns alle, einander anzusehen, so wie Gott uns ansieht“, sagt der evangelische Bischof  Markus Dröge in seiner Predigt. Bei drei Kirchentagen in Berlin war die Stadt geteilt, gemeinsam Gottesdienst zu feiern war nicht möglich. Nach dem Ökumenischen Kirchentag 2003 ist jetzt der Deutsche Evangelische Kirchentag wieder zu Gast in Berlin.

Geschichte wandert

Schwarz gekleidete Menschen auf Stelzen durchqueren mit überdimensionalen Bällen die Menge. Ein Ball steht für die Vergangenheit, er ist bedruckt mit historischen Fotos. Er erinnert die Besucherinnen und Besucher an ihre Verantwortung für die Demokratie. Ein weiterer symbolisiert das Jetzt, bemalt mit Graffiti: Leben in der Großstadt Berlin. Im dritten Ball spiegelt sich das Publikum. Die Menschen sehen sich. Sie sehen andere. „Sich ansehen schafft Beziehung“, findet Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au. Und es passiert: Alte Menschen reichen ihre mitgebrachten Klappschemel an andere weiter, die eine Pause brauchen können. Die Besucherinnen und Besucher nehmen sich gegenseitig in den Blick. Die Bälle ernten eher skeptische Blicke. „Wir schauen an, was war und was ist. Und all das lässt uns nicht kalt, sondern bewegt und verändert uns“, bekräftigt Markus Dröge.

Ansehen aushalten

Heute wehen die Fahnen auf dem Reichstag auf Halbmast. Tausende Menschen beten: „Schau auf alle, die in unserer Mitte fehlen. Kranke, Sterbende, Menschen denen Sorgen das Herz schwer machen. Doch wohin werden sie schauen in den nächsten Tagen? Werden sie in all dem Trubel des Kirchentags die sehen, die daran nicht teilhaben? Wir müssen es aushalten, uns anzusehen. Gerade dort wo es weh tut“, ermutigt Christina Aus der Au die Menge.

Vom Brandenburger Tor ist die Musik des Gottesdienstes in Leichter Sprache zu hören. Erst wenn alles getan, alles ertragen, alles gesehen. Und alles gelebt. Sind wir dem Himmel am nächsten, mit diesen Worten von Hanns-Dieter Hüsch schließt Markus Dröge die Predigt. „Wir suchen nach dir, Gott“, sagt Kirchentagspastor Arnd Schomerus. Die Teilnehmenden gehen in den Kirchentag, auf der Suche nach Gott in der Gewissheit: Gott sieht mich.

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